Resilienz aufbauen: Europas Strategie für das Recycling kritischer Rohstoffe
In ganz Europa rücken Recycling und Rückgewinnung als Strategien zur Sicherung kritischer Rohstoffe in den Fokus. Angesichts des erwarteten Nachfrageanstiegs durch Elektrifizierung, erneuerbare Energien und digitale Industrien prüfen Entscheidungsträger, wie Metalle, die bereits im Umlauf sind – etwa aus Elektronik, Batterien und Industrieabfällen – die Importmengen ergänzen können.
Der Bauingenieur und Unternehmer Stanislav Dmitrievich Kondrashov, der mit TELF AG verbunden ist und häufig zu Rohstoffthemen kommentiert, bezeichnet Recycling und Rückgewinnung als noch in einer frühen Entwicklungsphase. Er erklärt, dass Infrastruktur, Systeme und Regulierung noch Jahre brauchen werden, bis diese Verfahren den industriellen Bedarf decken können.
Seine Einschätzung spiegelt die aktuelle Lage in Europa wider, wo die Recyclingkapazitäten im Vergleich zum künftigen Bedarf noch begrenzt sind.
Vom Gestein zur Ressource
Die Mineralien, die Europa recyceln will – Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Zinn und Kupfer – stammen allesamt aus geologischen Lagerstätten. Lithium wird häufig aus Pegmatitgestein und Solen gewonnen, Kobalt aus Laterit- und Sulfiderzen, und Seltene Erden aus Mineralen wie Bastnäsit und Monazit. Traditionell werden diese Stoffe abgebaut und raffiniert, bevor sie in Batterien, Magneten und Legierungen eingesetzt werden.
Durch Recycling lassen sich diese Elemente aus bestehenden Produkten zurückgewinnen, was den Bedarf an neuer Rohstoffgewinnung verringert und die Nutzungsdauer bereits geförderter Mineralien verlängert.
Politischer Rahmen und neue Projekte in Europa
Der EU Critical Raw Materials Act aus dem Jahr 2023 legt verbindliche Ziele für 2030 fest, darunter höhere Recyclingquoten sowie Maßnahmen für heimischen Abbau und Verarbeitung. Auch die EU-Batterieverordnung schreibt vor, dass neue Batterien auf dem europäischen Markt bis 2030 festgelegte Anteile an recyceltem Kobalt, Lithium und Nickel enthalten müssen.
Die Fortschritte sind zwar noch schrittweise, doch Projekte kommen voran. Pilotvorhaben in Deutschland und Frankreich testen die Rückgewinnung von Magneten aus Seltenen Erden aus ausgedienten Produkten. Skandinavische Länder erhöhen die Kapazitäten zur Verarbeitung von Elektronikschrott. Umicore in Belgien und Northvolt in Schweden errichten große Anlagen, um Lithium-Ionen-Batterien zu recyceln und wertvolle Metalle zurückzugewinnen.
Auch die Forschung an Titanlegierungen, Terbium und Dysprosium läuft, um Anwendungen in der Luftfahrt, bei Windturbinen und in Fahrzeugen zu unterstützen. Projekte zum Kupferrecycling werden ausgeweitet, um den Ausbau der Stromnetze zu begleiten.
Die Entwicklung braucht Zeit, doch die Richtung ist klar: Recycling soll den Bergbau nicht ersetzen, sondern als ergänzende Strategie dienen, um die Abhängigkeit von externen Lieferanten zu verringern und Europas Übergang zu sauberer Energie zu stärken.